Weltknuddeltag – Hää wie soll das denn gehen?

Impulse für Nähe und Verbundenheit in Lockdown-Zeiten.

Zuerst erfährst du was Umarmungen so wertvoll macht, wie sie sich auf unsere Gesundheit auswirken und was wichtig ist, damit es für alle Beteiligten ein gutes Erlebnis ist. Weiter unten erhältst du sieben Angebote (die Lockdown geeignet sind) auf meinem Angebots-Buffet um auch am Weltknuddeltag Nähe und Verbundenheit zu teilen.

Warum Umarmungen so wichtig sind?

Mit einer Umarmung drücke ich meine Zuneigung aus, kann Verbundenheit herstellen, jemanden trösten und Geborgenheit geben. Wenn einem die Worte fehlen ist eine Umarmung oft aussagekräftiger und hilft uns auf einer nonverbalen Ebene zu kommunizieren.

Wichtig ist dabei jedoch immer, dass es nicht ungefragt geschieht, denn sonst kann genau das Gegenteil passieren. Durch einen fragenden Blick, eine Geste oder eine ausgesprochene Frage kann ich klären ob das Einverständnis da ist. Berührung ist nicht gleich Berührung

Wenn es nicht routinemäßig abläuft mit einem Klopfer auf den Rücken, sondern ich mich bewusst frage „möchte ich mit dieser Person eine Umarmung austauschen“ dient es der Kontrastschärfung, – Wie ist gerade meine Beziehung mit dieser Person? Wie wohl fühle ich mich mit mir selbst?

Bei Umarmungen werden Botenstoffe im Körper ausgeschüttet, die den Stresspegel allgemein und den Blutdruck senken, den Herzschlag beruhigen und die Stimmung aufhellen. Nach dem Berührungsreiz folgt die Entspannung im Körper.

💡Kläre zuerst ob eine Umarmung gewünscht ist.

Fördern Umarmungen unsere Gesundheit?

Ja, das wird eindeutig von Studien belegt. Eine 20 sekündige Umarmung, oder ein 10-minütiges Hand-halten, senken den Blutdruck und den Herzschlag.

Eine mechanische Berührung hat jedoch wenig Effekt. Wichtig ist die Verbindung von Körper und Gefühlen. Durch die Ausschüttung von Oxytocin nach einer angenehmen Berührung werden Stresshormone im Körper abgebaut. Das reduziert nicht nur Ängste, sondern stärkt auch das Abwehrsystem. Denn ein Teil der Stressreaktion des Körpers ist die Unterdrückung von Immunfunktionen. Außerdem hat Oxytocin im Körper eine schmerzstillende Wirkung.

Damit das „Glückshormon“ Oxytocin ausgeschüttet werden kann ist es wichtig mindestens 20 Sekunden in der Umarmung zu verweilen. Bei kurzen Begrüßungsumarmungen und gehauchten Küsschen, knapp am Ohr vorbei entsteht nicht ganz soviel „Glück“ in uns. Also, ankommen, spüren, genießen. Die Umarmung gilt es dann zu beenden, wenn eine der beiden beteiligten sich löst.

💡 Verweile in der Umarmung und sei mit deinem ganzen Körper und Geist anwesend.

Corona macht uns da einen gewaltigen Strich durch die Rechnung: werden wir je wieder hemmungslos Umarmungen verteilen?

Ich denke wir sollten gar nicht hemmungslos Umarmungen verteilen, sondern um Erlaubnis fragen und Umarmungen anbieten. Der Berührungswunsch und das Gefühl muss von beiden Seiten ausgehen.

Ja, ich werde wieder deutlich mehr Umarmungen teilen wie zum jetzigen Zeitpunkt. Die einzelne Umarmung bekommt dann eine höhere Wertigkeit, da sie etwas Besonderes ist und keine Selbstverständlichkeit.

Psychologen und Haptik-Forscher vom Haptik-Labor am Paul-Flechsig-Institut für Hirnforschung an der Universität Leipzig  sind sich sicher, dass wir wieder zurückfinden zu einem häufigeren Umarmen, da diese Grundkommuikationsform in unserer biologischen und sozialen DNA angelegt ist. Sie ist geprägt von unseren Erfahrungen als Kinder und Säuglinge. Schön für uns. Wie sieht es aber mit den jetzigen Säuglingen aus? Es ist in diesen Zeiten um so wichtiger, dass diese viel positive körperliche Zuwendung bekommen.

💡Wer mit Kindern zusammenlebt sollte jede Gelegenheit nutzen, um Umarmungen mit den Kindern auszutauschen.

Tipps damit wir leichter mit Veränderungen – wie dem Verzicht auf herzliche Umarmungen – umgehen können?

Veränderungen werden dann leichter, wenn wir uns bewusst dafür entscheiden. So lange wir hadern und es als Verzicht empfinden ist es anstrengend.

Es geht darum anzunehmen, wie es jetzt ist mit all den Gefühlen und Gedanken, die dazu gehören und dann schauen was innerhalb des begrenzten Rahmens möglich ist.

Als Sehnsuchtsziel darf und soll der Wunsch nach herzlichen Umarmungen unbedingt aufrechterhalten werden. Mit dem Blick darauf kann man dann schauen was zum jetzigen Zeitpunkt ein angemessenes zweitbestes Ziel wäre. Was ich mir am meisten wünsche und wie ich das bekommen kann.

Wir können natürlich auch schauen, wie wir jeden Tag unseren Speicher für Berührung füllen. In der eigenen Kontaktbubble gibt es Menschen, die ich umarmen kann und das nicht nur am Weltknuddeltag.

Tauschst du regelmäßig Umarmungen aus?

Gibt es etwas in der Beziehung mit deinen nächsten Menschen zu klären, damit es möglich ist sich regelmäßig zu umarmen?

Magst du eine Freundin oder einen Freund oder ein Familienmitglied – aus deiner engeren Kontaktbubble – ansprechen ob, wann und wie ihr Umarmungen austauschen möchtet?

Nicht immer nur in die Ferne schweifen und das Sehen was gerade nicht geht. Manchmal findet sich das Gute ganz in der Nähe.

💡 Kreiere Gelegenheiten zum regelmäßigen Austausch von Umarmungen.

Welche Alternativen gibt es am Weltknuddeltag?

Bei einer Umarmung sind die innere Haltung und das Gefühl ebenso wichtig wie der körperliche Kontakt.

Hier einige Alternativen

1.    Deine Intention kannst du auch nonverbal ausdrücken z.B. durch deinen Blick oder eine Geste und so jemandem von Herzen Liebe schicken.

2.    Eine weitere Möglichkeit ist es mit Abstand voreinander zu stehen, die Arme weit öffnen und sich einen verbindenden Kreis vorstellen, eventuell magst du auch aussprechen: „fühle dich von mir umarmt.“

3.    Oder innerhalb deiner engeren Kontaktbubble kannst du dich Rücken an Rücken stellen und die Energie und Wärme des Anderen spüren, Gewicht abgeben, dich anlehnen, der Atmung nachspüren, im Moment sein. Diese Alternative empfinde ich als sehr wohltuend.

4.    Ich kann meine Wertschätzung für eine Person auch sprachlich oder in Schriftform ausdrücken. Sozusagen eine verbale Umarmung. Ja, es ist nicht dasselbe und es ist auch sehr wohltuend. Man kann z.B. telefonieren und eine schöne Musik im Hintergrund laufen lassen und der Freundin oder dem Freund mal ein ganzes Musikstück (am besten instrumental) lang alle die Dinge sagen, die man an ihr oder ihm schätzt. Bei dieser verbalen Umarmung geht es darum als zuhörender nicht zu unterbrechen und nur zuzuhören und anzunehmen und als Sprechender über eine ganze Liedlänge (ca. 3 min.) Wertschätzung auszudrücken. Dabei darf man sich ruhig wiederholen. Wenn du dir 10 Punkte aufgeschreibst, ist das ein guter Start und beim Reden fallen dir sicherlich noch weitere Detailles und Nuancen ein, die du dann bei den Wiederholungen verwenden kannst. Zwischendrin gibt es auch Momente, wo ihr beide der Musik lauschen könnt. Um die verbale Umarmung abzuschließen ist es hilfreich, nicht darüber zu reden. Am Besten einfach Danke sagen und sich verabschieden. Oder wenn Redebedarf entstanden ist, sich für ein Gespräch verabreden.

Diese Alternative habe ich persönlich praktiziert und auch als Sprechende hat es sich sehr verbunden und gut angefühlt. Hinterher hatte ich einige Zeit so ein unbewusstes Lächeln im Gesicht, auf das mich mein Mann aufmerksam gemacht hat.

5.    Du kannst dich auch selbst umarmen. Dies ist sehr wertvoll im Sinne der Selbstfürsorge. Im Vergleich zu einer Interaktion mit einem anderen Menschen ist es jedoch nur die zweitbeste Lösung. Durch den Körperkontakt mit einem anderen Menschen spüren wir, dass wir nicht alleine auf der Welt sind und fühlen uns in unserem Umfeld sicher. Wir sind soziale Wesen und brauchen die Interaktion mit anderen Lebewesen.

Ich persönlich bevorzuge eine Einölung mit einem angewärmten Öl, wenn ich mir selbst etwas Gutes tun möchte.

6.    Ein Tier aus dem Tierheim stundenweise zu betreuen ist sicherlich auch eine gute Alternative für Menschen die momentan einen Berührungsmangel erleben. „Die Forschung zeigt ganz klar, wenn unsere Spezies mit anderen Säugetieren interagiert, dann profitieren beide Seiten davon“, sagt Martin Grunwald, Leiter des Haptik-Labors in Leipzig.

7.    Bäume zu umarmen ist sicherlich nicht für jeden etwas. Wer sich darauf einlässt und zu Bäumen hingezogen fühlt kann dort ganz sicher Kraft tanken und spüren wie sich die Kraft des Baumes in den eigenen Körper überträgt. In Island empfiehlt sogar der Forstdienst das „Bäume umarmen“.

💡 Diese Alternativen sind wie ein Buffet an Angeboten. Spüre nach was dich anzieht, was klingt lecker? Jede und Jeder kann seine eigene Wahl treffen. Hier gibt es kein Richtig und Falsch.

… und es ist auch völlig in Ordnung, wenn jemand den Lockdown als Erleichterung empfindet, dass diese ganzen Umarmungen wegfallen, wir uns nicht mehr die Hände geben und mehr Distanz halten.

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