Autsch mein Rücken – Fehlhaltungen vermeiden

Fehlhaltung am Schreibtisch

Schluss mit ungesunder Körperhaltung – aber wie?

Der Mensch ist ein Gewohnheitstier – ganz klar. Aber leider gibt es auch Angewohnheiten, die uns nicht guttun. Z.B. lümmeln wir auf der Arbeit immer in der gleichen ungesunden Position auf unserem Schreibtischstuhl. Oder wer kennt das nicht: Auf Fotos sehen wir plötzlich, wie krumm wir eigentlich stehen oder sitzen. Im Alltag versuchen wir uns dann daran zu erinnern, gerade zu stehen. Das ist aber anstrengend und wir vergessen es immer wieder.

Wie wir aus diesen ungesunden Körperhaltungen, die wir zutiefst verinnerlicht haben, wieder rauskommen, werde ich in den nächsten fünf Fragen beantworten.

1. Was sind denn so die häufigsten Körperhaltungen im Alltag, die wir falsch machen?

Beim Autofahren, bei der Bildschirmarbeit und generell bei allen Tätigkeiten, bei denen wenig Bewegung erforderlich ist, neigen wir Menschen dazu fest zu werden und statische Haltungen einzunehmen.

Aber auch bei Bewegungen, wie z.B. gehen, Einkauftüten tragen oder Bücken und etwas aufheben können ungünstige Bewegungsmuster dazu führen, dass wir uns auf Dauer damit schaden.

Alles was wir tun, können wir mit mehr Leichtigkeit und einer besseren Energiebalance ausführen. Dies bedeutet weder Energie zu verschwenden und uns unnötig anzustrengen, aber auch nicht zu erschlaffen und träge zu werden. Mit einer angemessenen Energie und der damit verbundenen Körperspannung gelingen die Tätigkeiten des Alltags mit Leichtigkeit.

Ein Lösungsansatz besteht darin, das Festwerden in der ungünstigen Haltung wahrzunehmen und wieder in die Lebendigkeit zu finden. Der Körper balanciert sich dann von selbst aus.

2. Um etwas zu verändern, muss uns ja überhaupt erstmal auffallen, dass wir z.B. eine ungesunde Körperhaltung haben. Wie mache ich mich selbst darauf aufmerksam?

Eigentlich macht uns der Körper darauf aufmerksam, dass eine Veränderung angebracht wäre, indem er hier zwickt und dort zwackt. Diese kompetenten Zeichen des Körpers gilt es entsprechend zu deuten und dann angemessen darauf zu reagieren.

Es ist hilfreich eine Art inneren Beobachter in sich zu aktivieren und mit dieser Instanz zu beobachten wie man etwas tut, während man es tut. Dieses gleichzeitige Tun und sich selbst dabei beobachten mag am Anfang etwas ungewohnt sein, gelingt nach etwas Übung aber ganz leicht.
Z.B. kann man beim Bücken und Aufheben beobachten, wie sich der Kopf im Verhältnis zum restlichen Körper befindet. Statisch oder dynamisch? Zurückgezogen oder vorgeschoben? Wo schaue ich eigentlich hin, wenn meine Hand zum Gegenstand greift? Was macht meine Atmung?

Zur Unterstützung kann man sich auch mit der Timerfunktion des Smartphones eine Erinnerung schicken, um regelmäßig mit sich selbst in Kontakt zu treten und sich zu fragen, wie geht’s mir eigentlich gerade? WIE mache ich das WAS ich gerade mache?

3. Wie kann ich dann mit dem Veränderungsprozess beginnen und mich immer wieder dran erinnern?

Das Gegenteil zu tun von dem was man bisher getan hat führt mit großer Sicherheit nicht zu einer nachhaltigen Veränderung. Also es bringt z.B. nichts aus einem krummen Sitzen in ein überstrecktes Sitzen zu wechseln, am besten noch begleitet von Gedanken, die mit „Ich sollte…“ beginnen. Das wird nach kurzer Zeit anstrengend und man sackt wieder in die krumme, vertraute Haltung zusammen, gepaart mit einem schlechten Gewissen oder Resignation.

Veränderung beginnt im hier und jetzt und wird mit Bewusstheit gestaltet.
Es ist absolut legitim sich post it’s als Erinnerung hinzuhängen oder sich von technischen Hilfsmitteln erinnern zu lassen.
Am wirkungsvollsten ist es jedoch bewusst mit sich selbst im gegenwärtigen Moment zu sein, sich aus einer neugierigen Haltung heraus zu spüren und zu beobachten. Es ist also mehr eine innere Haltung wie eine Technik.

Es gibt drei wesentlich Schritte, um den Veränderungsprozess zu beginnen:

  1. Die Entscheidung treffen wirklich etwas zu verändern und nicht nur ein wenige Schönheitskorrektur zu betreiben.
  2. Für die besten Rahmenbedingungen sorgen, so dass die Körperhaltung ergonomisch sinnvoll ausgeführt werden kann.
  3. Über spüren und mentale innere Ausrichtung gelingt es den Körper bestmöglich zu koordinieren. Über eine ausgewogenen Körperspannung findet man so aus der Starre in die Lebendigkeit.
    Ich kann mir z.B. sagen „Während ich am Schreibtisch sitze dürfen meine Halsmuskeln weniger tun, so dass sich mein Kopf auf dem obersten Halswirbel ausbalanciert und sich mein gesamter Rumpf dreidimensional ausbreiten kann. Alles von mir, zwischen Füßen und Schädeldach, ist beweglich, weit und offen.“

4. Woher weiß ich, wie die richtige Körperhaltung für mich aussieht?

Zu Beginn des Veränderungsprozesses kann man nicht wissen wie eine stimmige, günstige Körperhaltung aussieht.

Wir können uns leider an dieser Stelle gar nicht auf unser Gefühl verlassen. Wir brauchen das Feedback von außen, (z.B. durch einen Coach live online oder offline)

Hierfür gibt es zwei Gründe. Zum einen ist die Interpretation unserer Wahrnehmung meist falsch. Da sie sich am bekannten und vertrauten orientiert.
Zum anderen wählt das System Mensch keine Haltung oder Bewegungsablauf, der sich falsch anfühlt. Wenn ich etwas neues ausprobiere ist es jedoch erstmal notwendig, dass es sich falsch, im Sinne von ungewohnt, anfühlt.
Unser Gehirn wählt immer zuerst das Bekannte aus und ist quantitativ orientiert und nicht qualitativ.

An dieser Stelle ist die sanfte Ermunterung des Coaches und der Blick in den Spiegel oder die Videokamera hilfreich, um einen Realitätscheck vorzunehmen. Dadurch schafft man einen Abgleich zwischen innerem Gefühl und äußerem Bild.
Im Laufe des Veränderungsprozesses wird die Einschätzung der eigenen Wahrnehmung immer zuverlässiger.

5. Welche langfristigen Folgen kann eine falsche Körperhaltung nach sich ziehen?

Die Auswirkungen der Fehlhaltungen führen zu Verspannungen im gesamten Muskel- und Skelettapparat.
Ein gestauchter Oberkörper führt zu einer eingeschränkten Atmung und die Verdauung funktioniert auch nicht so, wie sie könnte.

Die Stimmung wird enorm durch die Körperhaltung beeinflusst. Hier kommt die gute Nachricht. Mit einer dynamischen, ausbalancierten Körperhaltung kann man die Stimmung positiv beeinflussen.

Am schlimmsten finde ich jedoch, dass es im Kopf eng wird, das Denken in immer gleichen Bahnen abläuft und man sich selbst limitiert.

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